Mit dem Pasticcio „Oreste“ bediente Händel 1734 sein drittes Opernunternehmen, das sich nach dem Bankrott der „Royal Academy“ und deren Nachfolgeakademie der Konkurrenz der neu gegründeten Opera of the Nobility ausgesetzt sah. Daher stellte der Komponist das Werk nicht (wie damals üblich) beliebig aus passenden Musikstücken von eigenen und fremden Werken zusammen, sondern präsentierte in „Oreste“ einen Querschnitt der schönsten Arien und Ensembles ausschließlich aus eigenen Opern. Zusätzlich ergänzte er noch die Ballett- und Chorszenen, von denen er sich nach dem Umzug in das neu erbaute Covent Garden Theatre besondere Wirkung versprach.

Da die meisten Sänger seiner italienischen Truppe von der Konkurrenz abgeworben worden waren, begann Händel verstärkt, englische Virtuosen zu verpflichten. Möglicherweise hat er sogar selbst an der Neufassung des Librettos mitgewirkt, um die neuen Stars optimal ins Rampenlicht zu stellen.

Dramma per musica (Pasticcio) HWV A11 (1734)
Libretto: unbekannter Bearbeiter (nach Giovanni Gualberto Barloccis Libretto zu Benedetto Michelis gleichnamigem Dramma per musica von 1723) (italienisch)

Uraufführung: 18. Dezember 1734, London, Covent Garden Theatre
Ausgabe: Bernd Baselt (Hallische Händel-Ausgabe)
Übersetzung: Bettina Bartz und Werner Hintze (deutsch)

Orte der Handlung: Wald, Tempelhof, Garten, Räume des Thoas, Tempel der Diana

Personen:
Oreste – Mezzosopran
Ermione, Gattin des Orest – Sopran
Ifigenia, Schwester des Orest und Priesterin der Diana – Sopran
Pilade, Freund des Orest – Tenor
Toante, König von Tauris – Bass
Filotete, Feldherr des Torante – Alt
Chor/ Ballett

Orchester: 0,2,0,0 – 2,0,0,0 – Str – Bc

Dauer: abendfüllend