Als Anton Theodor Graf Colloredo-Mels und Wallsee im Jahr 1778 zum Erzbischof von Olmütz geweiht wurde, überließ der Fürsterzbischof die Auswahl der Musik dem Kapellmeister Leopold Mozart. Die Wahl fiel auf Wolfgang Amadeus Mozarts 1775/1776 komponierte „Missa in C“ KV 259, die wegen der solistischen Mitwirkung der Orgel im „Benedictus“ auch unter dem Beinamen „Orgelsolo-Messe“ bekannt ist. Da der Kapellmeister das „Kyrie“ für den gegebenen Anlass als zu kurz und zu wenig feierlich erachtete, ersetzte er es durch das „Kyrie“ aus der „Spaur-Messe“ KV 258. Nicht auszuschließen ist, dass er zudem in die von seinem Sohn vorgegebene Besetzung eingriff und zwei Oboen hinzunahm.

Dem Kopisten des Stimmenmaterials diente nicht das Autograph als Vorlage, sondern eine Abschrift, in der von einer nicht zuordenbaren Hand – möglicherweise derjenigen Mozarts – bereits Kürzungen des „Benedictus“ vorgenommen worden waren. Abschriften sowohl des originalen als auch des gekürzten „Benedictus“ sind erhalten, sodass diese vor und nach der Kürzung angefertigt worden sein mussten.

Im Hinblick auf Quellenlage und Entstehungsgeschichte legt Walter Senn in seiner Edition die verschiedenen Gestalten des Werks vor: Die Kürzungen im „Benedictus“ sind durch „vi – de“ angezeigt und die Oboenstimmen in den Haupttext mitaufgenommen.