„In Italien benennet man, heutiges Tages, eine lateinische geistliche Solocantate, welche aus zween Arien und zweyen Recitativen besteht, und sich mit einem Halleluja schließt, und welche unter der Messe, nach dem Credo, gemeiniglich von einem der besten Sänger gesungen wird, mit diesem Namen [Motette]. Eine Komposition solcher Art ist die Solomotette Exsultate, jubilate KV 165/158a, die W. A. Mozart zu Anfang des Jahres 1773 in Mailand nach der höchst erfolgreichen Aufführung seiner Oper Lucio Silla.

Bei der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Erfassung und Katalogisierung von Musikhandschriften in Bayern fand sich 1978 in der Stadtpfarrkirche St. Jakob zu Wasserburg am Inn die Stimmenschrift einer zuvor unbekannten Zweitfassung. Die Noten und den Text zum abschließenden Alleluja-Satz schrieb der Salzburger Hoffagottist und Kopist Joseph Richard Estlinger (ca. 1720–1791), der viel für Vater und Sohn Mozart gearbeitet hat. Im Vergleich zur Mailänder Fassung weicht der Gesangstext dieser Salzburger Handschrift in der ersten Arie und im Rezitativ ab. Er wurde von anderer Hand nachgetragen. Die Salzburger Textfassung ist deutlich auf das Fest der Hl. Dreifaltigkeit bezogen. Vieles spricht dafür, dass diese Version zuerst am 30. Mai 1779, am Dreifaltigkeitssonntag, von dem Salzburger Soprankastraten Francesco Ceccarelli in einem von Nannerl Mozart erwähnten Amt in der Dreifaltigkeitskirche gesungen wurde. An diesem Tag waren Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart mit Ceccarelli im Priesterhaus der Kirche zu Mittag geladen. Die unterlegte weitere Textversion in der ersten Arie erlaubt die Verwendung der Solomotette auch zum Weihnachtsfest.