Ihrer Bedeutung angemessen und daher nicht überraschend, gibt es zahllose Editionen von Bachs Cello-Suiten. Das Autograph des Komponisten jedoch ist nicht überliefert. Es gilt als verschollen. In diesem Umstand liegt die besondere Herausforderung, der sich die vielen Herausgeber über die Jahre stellen mussten. Die vier erhaltenen handschriftlichen Quellen und der Erstdruck von 1824 weichen in vielen Details voneinander ab, wobei Artikulationsangaben und Phrasierung besonders uneinheitlich sind.

Der vorliegende Titel stellt ein Paket aus den Editionen BA 5257 und BA 5277 dar.

Edition 1 (BA 5257) basiert auf Band 4 der „Neuen Bach-Ausgabe – Revidiert“ und vervollständigt Bärenreiters Angebot von Editionen der Cello-Suiten. Andrew Talle hat hier die Beziehungen zwischen den erhaltenen Quellen grundlegend neu in den Blick genommen und konnte daraus hinsichtlich ihrer Bewertung und darauf aufbauend auch hinsichtlich der Genese der Suiten entscheidende Schlüsse ziehen. Ausgiebige Darlegungen zur Frage des Instruments, dem die Suiten zugedacht waren, sowie zu interpretatorischen Gegebenheiten der Bachzeit ergänzen seine Untersuchungen.

Der vorgelegte Notentext nähert sich den Intentionen des Komponisten an, soweit die Überlieferungssituation dies zulässt. Artikulationsangaben wurden als zuverlässig eingestuft und in den Notentext aufgenommen, wenn sie in der Mehrzahl der Hauptquellen vorkommen: „Diese Edition präsentiert keine perfekte Rekonstruktion des verlorenen Autographs; kein Herausgeber könnte diesen Anspruch erfüllen. Ich habe stattdessen versucht, Musikern und Wissenschaftlern eine zuverlässige Fassung des überlieferten Notentexts der sechs Cello-Suiten anzubieten sowie einen Eindruck von den Möglichkeiten zu vermitteln, die zu erkunden Bach seine Musiker ermutigte.“

Edition 2 (BA 5277) ist eine Faksimile-Ausgabe und präsentiert die vier handschriftlichen Quellen und den Erstdruck (sowie auch Bachs eigene Bearbeitung der Suite V für Laute) in synoptischer Form. Der Leser kann also auf einen Blick jede beliebige Stelle in allen Quellen vergleichen. Dies erlaubt eine unkomplizierte, direkte Auseinandersetzung mit den Quellen und macht die editorischen Entscheidungen, die für die Edition 1 gefällt wurden, nachvollziehbar.