Der 1955 erschienene Band 1 der Schütz-Ausgabe (BA 1709), mit dem Friedrich Schöneich die Historia der Geburt Jesu Christi vorlegte, hatte noch eine verschollene Quelle in Kauf zu nehmen und war auch sonst dem editorischen Stand seiner Zeit verhaftet.
Die von Bettina Varwig vorgelegte Neuausgabe kann nun alle überlieferten Quellen – den Erstdruck, die verschiedenen Teilüberlieferungen in der Düben-Sammlung sowie auch die Partiturabschrift aus dem Notenarchiv der ehemaligen Sing-Akademie zu Berlin, die bis zur Rückführung aus Kiew nur in Teilabschriften bekannt gewesen war – heranziehen. Ermöglicht wird so ein neuer, faktengestützter Blick auf die zu vermutende Gestalt der Historia. Die Edition behält die originalen Notenwerte bei und folgt auch sonst den Editionsprinzipien der Neuen Ausgabe sämtlicher Werke.
Neben der im Mittelpunkt des eingehenden Vorworts stehenden Frage, in welcher Gestalt die Historia in der Dresdner Schloßkirche an Weihnachten 1660 erklang bzw. heute zur Aufführung gebracht werden kann, nimmt auch die Diskussion der Besetzung (Evangelisten-Sätze auf der einen, konzertierende Sätze auf der anderen Seite) angemessenen Raum ein. Drei Anhänge erweitern den Einblick in die Überlieferungsstränge des Werks, die im Kritischen Bericht detailliert dokumentiert und in ihren Lesarten kritisch gesichtet werden.