Antonio Vivaldis zwölf Konzerte op. 4, bekannt unter dem Namen „La Stravaganza“, wurden 1711 zum ersten Mal im Vorwort zu „L’Estro Armonico“ op. 3 als eine Sammlung von „Concerti a 4“ erwähnt. Eine Veröffentlichung erfolgte erst 1716 bei Estienne Roger in zwei Heften, die jeweils sechs Konzerte beinhalten. Anders als ursprünglich angekündigt, handelt es sich bei „La Stravaganza“ nicht nur um eine Sammlung von Konzerten für Solovioline mit Streicherbegleitung. In fünf Konzerten wird der Solist durch eine zweite Solovioline oder sogar ein Solocello (Konzert Nr. 7) verstärkt.

Zahlreiche Nachdrucke von „La Stravaganza“ sprechen für die Verbreitung und Beliebtheit der Konzerte bis in die 30er Jahre des 18. Jahrhunderts. Neben der Überlieferung durch Drucke gibt es eine bedeutende handschriftliche Überlieferungstradition, die alternative Fassungen zu sieben der Konzerte umfasst, die zum Teil aus der Notenbibliothek Johann Georg Pisendels stammen.

Die vorliegende Ausgabe von „La Stravaganza“ ist nicht nur die erste wissenschaftlich-kritische, sondern auch die einzige erhältliche vollständige Edition. Zusätzlich zu den zwölf Konzerten, die in der Roger- Ausgabe überliefert sind, legt Bärenreiter in Partitur, Klavierauszug und Stimmen ein Konzert vor, das in der 1728 erschienenen Edition des englischen Verlags Walsh & Hare enthalten ist, sowie in handschriftlichen Quellen überlieferte Alternativfassungen – ohne Viola – der Konzerte Nr. 6 (Libro Primo) und Nr. 11 (Libro Secondo).