Rameaus einzige erhaltene Oper auf ein Libretto von Voltaire ist in zwei Fassungen (1745 und 1746) überliefert, wobei diejenige von 1745 lange als verschollen galt. Mit dem Band IV.12 der „Opera omnia Rameau“ liegt nun erstmals eine vollständige Ausgabe vor, die die Aufführung beider Fassungen ermöglicht.

Voltaire beruft sich in seinem Libretto auf Metastasio, indem er die Oper aus dem galanten Milieu befreien wollte, um sie zu einem moralisierenden, so erbaulichen wie politischen Bühnenkunstwerk zu machen. Nach einem dem personifizierten Neid gewidmeten Prolog werden der Tyrann Bélus und der Tyrann Bacchus aus der Ruhmeshalle verjagt und wird schließlich Trajan mit Lorbeer gekrönt, weil er die Rebellen besiegte, ihnen verzieh und schließlich die Ruhmeshalle in einen öffentlichen Tempel verwandelte.

Die Musik enthält viele bemerkenswerte Passagen, z. B. eine reich besetzte Ouvertüre, den berühmten Monolog „Profonds abîmes du Ténare“ mit obligaten Fagotten oder Trajans raffinierte finale Szene „Ramage d’oiseaux“.