Beethoven war 15 Jahre alt und studierte Komposition bei Christian Gottlob Neefe in Bonn, als er diese drei Quartette schrieb. So weisen sie einen starken Einfluss Mozarts auf, lassen im brillanten Klaviersatz aber den späteren Beethoven bereits erahnen. Der Komponist gab einer der Töchter der wohlhabenden Familie von Mastiaux in Bonn Klavierunterricht – die anderen drei Geschwister spielten Violine, Viola und Violoncello. Es ist gut denkbar, dass Beethoven die drei Quartette für diese Familie schrieb.

Die autographe Partitur, die einzige Quelle dieser Quartette aus der Feder des Komponisten, enthält viele Überschreibungen, die die ursprüngliche Konzeption der Werke und mögliche alternative Lesarten erkennen lassen. Die Quartette wurden zu Beethovens Lebzeiten nicht veröffentlicht, auch wissen wir von keinen Aufführungen mit dem Komponisten, wohl aber verwendete er melodisches und thematisches Material aus diesen Frühwerken in späteren Kompositionen.

Das Autograph begleitete ihn bis zum Ende seines Lebens – vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Quartette ihm viel bedeuteten. Die Erstausgabe erschien beim Wiener Verlag Artaria ein Jahr nach Beethovens Tod, allerdings mit veränderter Reihenfolge der Werke und mit vielen Abweichungen im musikalischen Text.

Bärenreiters kritisch-praktische Ausgabe der Klavierquartette WoO 36, herausgegeben von dem italienischen Aufführungspraxis-Forscher und Pianisten Leonardo Miucci, stellt nicht nur die korrekten Lesarten klar, sondern beleuchtet auch die expressive Notation des jungen Beethoven und liefert eine plausible Erklärung für die unterschiedliche Bedeutung und Verwendung von staccato-Punkten und staccato-Strichen.