Neben den bekannten „Impromptus“, der Sammlung der „Pièces brèves“ und den „Trois Romances sans paroles“ versammelt der vorliegende Band Klavierwerke von Gabriel Fauré, die noch wenig bekannt oder sogar unveröffentlicht sind. Er bietet Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Stücken zu lenken, die in seiner allerersten Schaffensphase entstanden. Somit kann man die Entwicklung des jungen Komponisten nachverfolgen im Übergang zwischen den an der von Louis Niedermeyer gegründeten „École de musique classique et religieuse“ geschriebenen Schülerarbeiten bis hin zu seinen ersten Hauptwerken für Klavier aus den Jahren zwischen 1875 und 1880.

Am Rande der Produktionen seiner ersten uns bekannteren Vokalwerke zeigen diese Werke seine Kenntnisse in der Imitation der Stile der Vergangenheit. Werk um Werk offenbart sich in ihnen eine eigene Handschrift: In der „Sonate“, in den ersten Versionen der Fugen oder auch in den drei „Romances“ ist seine Handschrift noch undeutlich, in der „Mazurka“, der „Gavotte“ und dem „Prélude“ in e-Moll erscheint sie bereits entwickelter. Von seinen Jugendwerken hat Fauré ganz offenbar nur das aufgehoben, was in diesem Band enthalten ist und ihm für eine Publikation als persönlich genug bzw. im Hinblick auf eine spätere Weiterverwendung geeignet erschien, wobei sich alle Stücke durch ihren einzigartigen Reiz auszeichnen.

Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Herkunft erscheint insbesondere die kontrastierende Sammlung der „Pièces brèves“ zu Unrecht vernachlässigt, denn es handelt sich um ein Ensemble von großer Qualität und ist ein Vorbote der Prägnanz der „Neuf Préludes“. Neben den „Nocturnes“ und den „Barcarolles“ manifestieren die fünf „Impromptus“, die zwischen 1881 und 1906 entschlossen ihre Gestalt fanden, die voll entfalteten Fertigkeiten des Komponisten, der im Hinblick auf seine zunehmende Schaffenskraft und die Anforderungen seiner künstlerischen Absichten stets Grenzen überschreitet. Im Anhang dieses Bandes finden sich neben den frühen Fassungen der dritten „Romance“ und zweier „Pièces brèves“ auch die interessante Solo-Klavier-Fassung der „Pavane“, die zweifelsohne vom Komponisten selbst stammt, sowie die Kadenzen, die er für die Klavierkonzerte von Beethoven und Mozart für seine Schüler bzw. später für die Pianistin Marguerite Hasselmans schrieb, und deren Originalität immer wieder das Interesse von Pianisten geweckt hat.