Besetzung: 3 (2. und 3. auch Picc), 2, Eh, 2, BKlar, 2 (2. auch Kfag), Kfag - 4, 3 (1. auch PiccTrp), 3 (1. und 2. TPos, 3. TBPos), 1 (Kb) - Schlg (4) - Hfe, Klav - Str (12, 12, 10, 8, 6; Kb fünfsaitig) / ca. 15. Minuten

Uraufführung am 22. Oktober 2008 in Aachen: Sinfonieorchester Aachen, Leitung Marcus R. Bosch

Philipp Maintz’ „archipel“ (2008)
Die Orchesterkomposition „archipel. musik für großes orchester“ gehört in den musikalischen Umkreis der Oper „Maldoror“ (2010). Der Titel ist Formkonzept und inhaltlicher Wegweiser: „Ein Archipel ist eine Inselgruppe, die unter dem Wasser miteinander verbunden ist und deren Höhen herausragen.” Die „unterirdische” Verbindung ist zum einen der Bezug zum musikalischen Material der Oper, um die herum haben sich Stücke gruppiert haben, die einem offenen Werkbegriff Rechnung tragen. Zum anderen ist der Begriff Archipel eine Beschreibung der Struktur der Komposition. Sie ist als eine Gruppierung separater Teile konzipiert, deren Fluss und Verzweigung durch vertikale Schnitte an der Oberfläche unterbrochen sind. „Das Stück hat mehrere Zentren, die zunächst einmal unverbunden sind, von denen aus Variationen und Ableitungen gebildet werden können.”
Der musikalische Duktus des fließenden und dramatisch ausschlagenden Gesangs in der Oper wird für Philipp Maintz zu einem stilistischen Mittel auch der Orchesterkomposition. „Das Komponieren für Stimme hat mein bisheriges Vorgehen, bei der Komposition vorrangig mit Rechenoperationen und Algorithmen zu arbeiten, teilweise aufgelöst. Ich komponiere freier und intuitiver, um mich auf diese Weise in Atmosphäre, Sprachduktus und die Farbe der Oper hineinzuarbeiten. Dabei war ‚archipel‘ als Titel eine spontane Idee, die mir gut gefiel, um die Konstruktion des Orchesterstücks zu beschreiben. Dieser Vorgang ist vielleicht reziprok zu meinem früheren Orchesterwerk heftige landschaft mit 16 bäumen, bei dem ich sehr früh wusste, wie eine Musik zu diesem Titel zu klingen hat.” Die Eigenschaften von „archipel“ sieht Philipp Maintz vor allem in einer kammermusikalischen Differenzierung des musikalischen Satzes in Partien, die zwischen größeren Höhepunkten „immer wieder das ganze Orchester zusammenstürzen lassen, bis einzelne Geräusche übrig bleiben.” (aus: takte 2/2008)