musik für bariton und großes orchester (2011/12). Text von Welimir Chlebnikow, deutsche Nachdichtung von Alexander Nitzberg. BA 11104, Aufführungsmaterial leihweise

Besetzung: 3 (2. auch Picc), 2, Eh, 2, BKlar, 2 (2. auch Kfag), Kfag – 4, 3, 3, 1 (KbTub) – Schlg (4) – Hfe, Klav – Str (14, 12, 10, 8, 6) / ca. 25 Minuten

Uraufführung am 25. März 2012 in Monte Carlo (Printemps des Arts de Monte-Carlo): Otto Katzameier (Bariton), Orchestre Philharmonique de Monte Carlo, Leitung Jean Deroyer

Werkkommentar
Mit der Vertonung eines lyrischen Textes von Welimir Chlebnikov aus dem Jahr 1918 in „wenn steine sich gen himmel stauen“, dessen Bilder in einer archaischen, fast bukolischen Landschaft angesiedelt sind, erschließen sich neue Ausdrucksdimensionen. „Das Gedicht ist für mich so etwas wie eine Schneekugel: ganz intim, geborgen, zart und innerlich - und das Orchester ‚bewacht’ diese zerbrechliche Intimität auf eine schon ‚magische’ Art und Weise“, sagt Philipp Maintz über seine Komposition von Chlebnikovs Text. Der russische Dichter, der dem Futurismus zugerechnet wird und sich selbst als „Zukünftler“ bezeichnete, schuf wuchernde, vieldeutige Sprachkunstwerke. Philipp Maintz reizt gerade das „kryptisch Surreale“ des Textes, dabei ist die Neuübersetzung von Alexander Nitzberg „von einer extrem sinnlichen Poesie, die sofort etwas zum Klingen bringt.“ Dieser setzt in seiner Nachdichtung die Vorlage mit ihren Reimen und Assonanzen in schwebende, klingende Bilder um, wie das „wo ein Knabe zerrupft die Wolke / vom Schwanenvolke / und mit müden Mündern, / und von Winden / den Schlünden“. Alles steuert zu auf die Anbetung einer fernen Geliebten, auf deren „Augen, die zu Pfingsten leuchten, seidendurchwirkte“. Dabei bleibt der Text rätselhaft, und gerade dieser Atmosphäre der Innerlichkeit möchte Philipp Maintz in seiner Vertonung nachspüren: „Die Komposition geht dem nach, was das Gedicht an Stimmungen, Reflexen, Resonanzen hinterlässt. Es hat für mich eine große Innerlichkeit, ein Beisichsein. Die Bilder fügen sich wie Kettenglieder ineinander und bewegen sich fort, nach einem in sich sehr musikalischen Prinzip. Ich habe versucht, einen sehr intimen Klang zu finden. Das Orchester bricht selten groß aus, selbst im Tutti bleibt es sehr ineinander verschachtelt, samtweich, verträumt, wie ein helles Violett“, als würde es die im Gedicht evozierte Bläue der Gebirgsluft nachempfinden. Zum Gesang verhält sich das Orchester wie ein Resonanzraum, der die vom Bariton evozierten Bilder intensiviert. Philipp Maintz vergleicht dies mit einer Wirbelschleppe, also dem Luftstrudel, der sich hinter einem Flugzeug aufbaut. „Der Orchestersatz hat etwas von wirbelndem Laub oder Nebelschwaden, die vom Gesang hin und hergeweht werden.“ Ein weit ausdifferenziertes tiefenscharfes instrumentales Klangbild entwickelt einen starken horizontalen Sog, dem in einem langsamen Fortschreiten der Akkorde, in harmonischen Haltepunkten Zeit gegeben wird, sich zu entfalten.