„Prima la musica e poi le parole“:
Am 7. Februar 1786 kam es im Rahmen eines Festes, zu dem Kaiser Joseph II. in die Orangerie von Schloss Schönbrunn geladen hatte, zu einem denkwürdigen musikalischen Wettstreit. Die italienischen „Hofoperisten“ stellten dem „Schauspieldirektor“ von Mozart, der von einem deutschen Singspiel-Ensemble dargeboten wurde, die Opera buffa „Prima la musica e poi le parole“ von Antonio Salieri gegenüber. Diese köstliche Opernsatire gehört zum Genre des „metamelodramma“, bei dem die Oper selbst zum Gegenstand der Handlung wird. Die an einer Opernproduktion beteiligten Personen, wie z. B. Dichter, Komponist und Primadonna, treten selbst in Erscheinung. Auf diese Weise kommt es zu einer humorvollen Selbstspiegelung der Künstler in den Bühnenfiguren. Indem Salieri bei diesem „Theater auf dem Theater“ in den Einlagearien auch noch Musik aus Giuseppe Sartis „Giulio Sabino“ parodiert, spielt er mit präexistenter, dem Uraufführungspublikum durchaus bekannter Musik. Durch seine musikalische Reflexion über musikdramatischen Stil und die Diskussion über die Priorität von Wort oder Ton erweist sich dieses Meisterwerk als früher Vorläufer von Richard Strauss’ „Capriccio“.


Das Projekt „OPERA“ – Spektrum des europäischen Musiktheaters in Einzeleditionen widmet sich der kritischen Edition herausragender Werke des europäischen Musiktheaters des 17. bis 20. Jahrhunderts.

Herausgegeben werden Kompositionen französischer, italienischer, deutscher, englischer, skandinavischer und slawischer Herkunft, wobei gezielt auch Gattungen einbezogen werden, die in bisherigen editorischen Unternehmungen wenig Beachtung fanden und jeweils eigene editorische Problematiken mit sich bringen, wie beispielsweise Ballett, Schauspielmusik, Melodram oder Operette.

Neuartig ist die Präsentationsform in sogenannten Hybridausgaben, bei welchen die Partituren im traditionellen Leinenband erscheinen; die musikalischen und textlichen Quellen, die Editionen der dramatischen Texte sowie die kritischen Berichte werden auf einer elektronischen Plattform (Edirom) erstellt und präsentiert.
Die Entscheidungen des Herausgebers sind dank der Zugriffsmöglichkeit auf die zugrunde liegenden Quellen für den Benutzer vollkommen transparent. Dieser besondere von „OPERA“ verfolgte editorische Zugriff eröffnet neue Perspektiven für Wissenschaft, Bühne und Konzert gleichermaßen.

Die digitale Präsentation der OPERA-Editionen bedient sich der Software Edirom, die im gleichnamigen, an der Universität Paderborn angesiedelten Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) entwickelt wurde. Alle Komponenten des elektronischen Teils sind nach modernem Standard in XML kodiert; die Textteile folgen dem Standard der „Text Encoding Initiative“ (TEI).