Seit den 1970er Jahren wird Karg-Elerts Orgel-, Harmonium- und Klaviermusik systematisch wiederentdeckt, das Liedschaffen wurde aber zunächst ausgespart. Zu Unrecht, denn seine etwa 200 Sologesänge sind hochrangige Kompositionen, die zudem eine Fülle an Formen, vom durchkomponierten bis zum Strophenlied, musikalisch einschließen. Zur Wiederentdeckung dieser Kleinodien trägt Herausgeber Ernst Breidenbach auch mit etlichen Konzerten und einer Einspielung ausgewählter Lieder auf CD bei.

Die von Karg-Elert vertonten Textdichter entstammen fünf Jahrhunderten; auffällig allerdings, dass sich hierunter viele Autoren finden, die, obwohl Zeitgenossen des Komponisten, den ästhetischen Idealen des 19. Jahrhunderts verpflichtet sind und deren Poesie sich eher an den Normen der Klassik und Romantik als an aktuellen Strömungen der Dichtkunst orientiert. Einen Sonderfall bildet der Lessing-Zyklus, mit dem der Komponist schon aufgrund seiner Textwahl neue Wege einschlägt.

Karg-Elert galt unter Kollegen wie in der Musikwelt als Außenseiter: Er orientierte sich nicht nur an der deutschen, sondern an der europäischen Avantgarde um Debussy, Skrjabin und dem jungen Schönberg, und diese grenzüberschreitende ästhetische Orientierung musste im zunehmend konservativen Klima der Nachkriegsjahre auf Ablehnung stoßen.


- Erste Urtext-Edition auf Basis der Erstausgaben
- Entdeckung eines neuen, hochinteressanten Repertoires
- Ausführliches Vorwort (dt./engl.)
- Übersetzung der Liedtexte (dt./engl.)