„Die Gambe. Kulturgeschichte und praktischer Ratgeber“ – schon der Titel lässt erahnen, welch fesselnde Lektüre Annette Otterstedts Gambenbuch bietet, denn die Autorin versteht es, die Gambe aus der staubigen Ecke zu holen, in der sie mancher Zeitgenosse – trotz „Alter Musik“-Bewegung – noch vermuten mag. In einer äußerst lebendigen Sprache und mit fundierter, aber unaufdringlicher Sachkenntnis erzählt die Autorin im ersten Teil die Kulturgeschichte der Gambe vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zu ihrer Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert. In diese Zeitreise durch die Entwicklungsgeschichte des Instruments und der Gambenmusik sind farbige Porträts der großen Gambisten Sainte Colombe, Ferrabosco, Lawes, Jenkins und Simpson eingebettet, die Lebens- und Schaffensbedingungen eines Musikers in verschiedenen Zeiten und Ländern schildern. Mit der Baugeschichte des Instruments, der Vielfalt der Gambentypen, Sonderentwicklungen und aufsehenerregenden Entdeckungen von Fälschungen und Umbauten, befasst sich die Autorin in einem instrumentengeschichtlichen Teil. Hier wie auch im dritten Teil, der Tipps für den praktischen Umgang mit dem Instrument gibt, tritt ein weiterer großer Vorzug des Buches hervor: Der unmittelbare Bezug, den die konzertierende Gambistin Otterstedt zu ihrem Instrument hat, lässt die Erläuterungen plastisch und anschaulich werden. Und so ist das Buch praktischer Ratgeber, Nachschlagewerk und Schmöker in einem. Es wendet sich an Liebhaber und Musiker ebenso wie an kulturgeschichtlich Interessierte – und ganz besonders an diejenigen, die wie Annette Otterstedt Spiel und Ernst in der Beschäftigung mit Alter Musik nicht auseinanderhalten möchten.