Erst in jüngster Zeit ist das Interesse an Person und Werk Jean Barraqués (1928–1973) erwacht. Dabei wurde rasch deutlich, dass hier nicht nur eine Schlüsselfigur der Geschichte der seriellen Musik zu entdecken ist, sondern zugleich ein Œuvre von höchster kompositorischer Qualität. Das Buch Heribert Henrichs, das durch eine biographische Skizze eingeleitet wird, vermittelt Einblicke in Barraqués musikalisches Denken, die die Fragwürdigkeit der verbreiteten Vorstellung von einer einheitlichen „seriellen Lehre“ offenbaren. Im Zentrum steht die ausführliche analytische Untersuchung der sechs Kompositionen Barraqués, deren Hermetik der Autor erstmals von den Quellen her aufzuschließen versucht. Dabei wird sichtbar, mit welcher Konsequenz der französische Komponist die Idee eines in sich kohärenten und das Moment prinzipieller Unvollendbarkeit bewusst ins Kalkül ziehenden Lebenswerkes verfolgte.