Der Komponist der „Symphonie fantastique“ wusste auch eine spitze Feder zu führen. Zum 200. Geburtstag (2003) von Hector Berlioz erschienen Kritiken und Essays in neuer deutscher Übersetzung. Die Auswahlausgabe enthüllt einen Blick auf die Scharmützel des Pariser Musiklebens zwischen 1830 und 1850.

Von fast allen verteufelt, verkannt und gedemütigt, litt Hector Berlioz (1803–1869) zeitlebens an der Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit. Sein Ideal war das absolute Kunstwerk von poetischer Tiefe, mitreißender Dramatik und musikalischer Originalität – Ton gewordene Leidenschaft jenseits von Sinfonie und den Mauern des Theaters, die er zu sprengen gedachte. Die Wirklichkeit war die Hauptstadt Paris, das Machtzentrum von Politik und Kultur, mit seinen extremen Reibungen, seinen Revolutionen und seiner glamourösen Dekadenz. Hier hat der musikalische Enthusiast Berlioz das Wort als Waffe entdeckt. Die Feder gab sich in seiner Hand wonnevoll der Bewunderung der Meister vor ihm hin oder spritzte gnadenlos Gift auf seine Kritiker und Feinde. Aber er dichtet auch Kurzgeschichten von erstaunlicher literarischer Tiefgründigkeit. Die neue kommentierte Ausgabe soll Berlioz' Enthusiasmus in seiner ganzen Intensität und Vielfalt vermitteln. Sie gewährt Einblicke in das zeitgenössische Musikleben in Paris und der Provinz zwischen 1830 und 1850 und legt das Denken und Fühlen des Komponisten frei. Der neuen Übersetzung gelingt es, die spezifische Ironie und Hintergründigkeit von Berlioz’ Sprache auch im Deutschen einzufangen.

- Ausgewählte Schriften von Hector Berlioz‘ in kommentierter Neuausgabe
- Der Komponist als Meister des Essays und der Kritik
- Üb er das Pariser Musikleben zwischen 1830 und 1850
- Teilweise Erstübersetzung ins Deutsche

Frank Heidlberger
(*1962) ist Professor für die Geschichte der Musiktheorie an der University of North Texas, Denton (USA)