Charles Burneys Reisetagebücher geben anschaulich Auskunft über die Vielfalt des europäischen Musiklebens um 1770 und lassen zahlreiche Komponisten und Musiker zu Wort kommen.

Literarisch kunstvoll gestaltetet, umgreifen Charles Burneys Reisetagebücher ein breites inhaltliches Spektrum; besonders in den „German Travels“ zeichnet er weit über die Musik hinaus ein farbiges Panorama der Zeit und des Reisealltags. Lebendig, polemisch und durchaus parteiisch führt er seine Leser in die Zentren des europäischen Musiklebens, bewertet und kritisiert, was er vorfindet, und berichtet über Begegnungen mit Gesprächspartnern wie Voltaire, Diderot, Farinelli, Padre Martini, Marpurg und Carl Philipp Emanuel Bach. Heute sind seine Tagebücher eine wesentliche Quelle zum Musikleben um 1770. Eigentlich hatte Charles Burney seine Reisen durch Europa allein mit dem Ziel unternommen, aus erster Hand Material für seine General History of Music zu erhalten, „to allay my thirst of knowledge at the pure source“. Seine Erlebnisse, Forschungen und Gespräche in Frankreich, Italien, Flandern, den Niederlanden, Deutschland und Österreich veröffentlichte er dann – wegen der enormen Popularität der Reiseliteratur zu jener Zeit – in separaten Bänden über den „Present State of Music“. Kurz darauf erschien in Hamburg die deutsche Übersetzung, die in der neuen Ausgabe vollständig wiedergegeben wird.

Christoph Hust studierte Schulmusik, Musiktheorie und Musikwissenschaft. Seit 2000 arbeitet er an der Universität Mainz.