Ein Topos der musikalischen „Philosophie“ besagt, dass Musik und Liebe in einem besonders innigen Verhältnis zueinander stehen. Komponisten haben daher für Liebesszenen in den Opern Musik von besonderer Schönheit und Wirkung geschaffen. Doch verändern sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Vorstellungen von der Liebe – und mit ihr ihre musikalische Darstellung in der Oper. Die Liebe verliert die Kraft zu harmonisieren und zu verbinden. „Schöne“ Liebesduette oder -szenen zu komponieren, wird beinahe unmöglich.

Mit der Beschreibung von acht Werken, von Mozarts „ Cosi fan tutte “ über Wagners „Tristan und Isolde“ bis hin zu Leos Janaceks „ Kat'a Kabanova “ und Alban Bergs „Lulu“, schlägt Marion Recknagel einen Bogen über das 19. Jahrhundert hinweg bis ins 20. Jahrhundert hinein, um die Veränderungen in der Liebeskonzeption der Oper darzustellen.