Dass Anton Bruckner und Johannes Brahms im Parteienstreit des 19. Jahrhunderts als Stellvertreter von diametral entgegengesetzten Ausrichtungen des Komponierens in Anspruch genommen wurden, gehört längst der Vergangenheit an. Doch auch nach der Überwindung allzu simpler und eindeutiger Zuordnungen ist die Rezeptionsgeschichte beider Komponisten durch die immer wieder wechselnde Hervorhebung angeblich progressiver wie vermeintlich konservativer Aspekte bestimmt geblieben. Diese Wahrnehmungsprobleme wurden in zwei Zürcher Symposien thematisiert, deren Beiträge der vorliegende Band zusammenfasst. Den Leitfaden der Überlegungen bildet dabei die Physiognomie jener urbanen Lebenswelt, mit der diese Wahrnehmungsprobleme zusammenhängen: Wien als langfristig erstrebtes Ziel, als bewusst ausgesuchter Lebensort der Wahlwiener Bruckner und Brahms.