Drei selbständige, unabhängige Lehrgebäude sind es, die im „Kontrapunkt“ vorgestellt werden: Josquin, Bach, Neue Musik. Der Leser kann das Buch systematisch durcharbeiten von den ersten Höhepunkten der Polyphonie bei Perotin über Palestrina, Schütz, Bach, Haydn, Beethoven, Schumann, Brahms und Wagner bis zur Neuen Musik. Er hat aber auch die Möglichkeit, sich nach eigener Wahl der Gebiete und Reihenfolge Einblick in verschiedene Musiksprachen zu verschaffen und sich handwerklich zu schulen. Deshalb hat de la Motte vor die einzelnen Arbeitskapitel Lesekapitel gesetzt, die neben der theoretischen Reflexion der musikalischen Struktur den Blick auf die entsprechende Epoche richten und das historische Verständnis vertiefen.

Wie seine „Harmonielehre“ ist dieses Buch Diether de la Mottes zum Klassiker geworden. Die Regeln des Kontrapunkts leitet Diether de la Motte unmittelbar aus der Analyse der einzelnen Werke ab, wobei er den zeitlichen Bogen von Josquin über Bach bis hin zur Neuen Musik spannt. Weit mehr als nur ein Lehrwerk, eröffnet das Buch vielfältige musikgeschichtliche, ästhetische und kompositionstechnische Einblicke. „Dies ist keine komprimierte Anweisung, die von Regel 1 bis zu Regel 487 führt. Es wird über Musik nachgedacht, wobei sich Beschreibung, Analyse, Interpretation, „Nachdenken über“ und satztechnische Anweisung zum Ganzen fügen.“
(Aus dem Vorwort)