Die Originalpartitur zu Janaceks Vater unser, einem Werk, das ursprünglich für Tenor und gemischten Chor mit Harmonium oder Klavierbegleitung bestimmt war, wurde 1901 fertiggestellt. Sechs Jahre später arbeitete der Komponist es zu einem Stück mit Begleitung durch Harfe und Orgel um. Diese Fassung, die hier vorliegt, wurde am 18. November 1906 als Kantate vom Sängerverein Hlahol in Prag uraufgeführt. Anlass zur Vertonung des Textes gab ein Bildzyklus des zeitgenössischen polnischen Malers Mecina-Krzesz, der Janacek zu einer eigenen, sozial zugespitzten Auslgegung des Gebets inspirierte. In der gesamten Melodik ist der Einfluss des mährischen Volksliedes offenkundig, die Deklamation der Worte hat durch den Einfluss des lachischen Dialekts einen reinen Akzent auf der vorletzten Silbe. Das Stück ist von einer eichen Polymelodik geprägt. Die dramatische Folge der Szenen nimmt im Ausdruck bereits die Oper Jenufa vorweg. Grundlage für die Ausgabe von Bohumir Stedron war die dritte autorisierte Abschrift des Vater unser, die sich im Archiv des Prager Hlahol befindet. Im Unterschied zu dieser Abschrift wurden dynamische Zeichen, Phrasierung und Rhythmus vereinheitlicht und ergänzt. Die Partitur enthält ein Vorwort, einen kritischen Bericht und den Text des Stückes in tschechischer und deutscher Sprache. Die Stimme der Harfe erscheint gesondert unter der Editionsnr. H 3712a.