Seit 1999 bereitet der Verlag Bärenreiter Praha eine kritische Gesamtausgabe der Werke von Miloslav Kabelác (1908-1979) vor. Im Rahmen des 100. Geburtstags des Komponisten erschienen zwei Titel, die heute sowohl bei uns als auch im Ausland zum Repertoire gehören und die die IV. Reihe der kritischen Edition beschließen: Die Acht Inventionen für Schlaginstrumente und die Otto ricercari für Schlaginstrumente.

Der Zyklus der Acht Inventionen, eines der bekanntesten Werke von Kabelác, entstand 1962 für das französische Ensemble Les Percussions des Strasbourg. Die Inventionen wurden gelegentlich mit Ballettaufführungen verbunden, und zwar schon bei der Uraufführung in Straßburg. Kabelác gab jedoch eindeutig konzertanten, rein instrumentalen Aufführungen den Vorzug, für die dann zahlreiche andere Ensembles sorgten, unter ihnen bald auch das Prager Ensemble für Schlaginstrumente und das tschechische Ensemble Dama-Dama. Die Komposition ist für sechs Spieler und eine große Gruppe von Schlaginstrumenten bestimmt – die instrumentale Besetzung ändert sich von Satz zu Satz. Kabelác verwendet hier eine Neue Proportionsnotation in einer Form, die im Wesentlichen seine Erfindung ist. Die acht Teile behandeln unterschiedliche gedankliche, formale, klangliche und rhythmisch-metrische Probleme, im ganzen Zyklus sind außereuropäische Inspirationen zu hören.

Die Inventionen werden zur besseren Übersichtlichkeit immer aus der Partitur gespielt. Die neue kritische Ausgabe mit einer detailierten Erläuterung des Herausgebers entspricht dem Autograph bis auf vereinzelte kleine Abweichungen, die der Komponist nach der Uraufführung des Werks in die Ausgabe des Verlags Panton (1966, 2. Ausgabe 1971) einfügte.