Adam Michna von Otradovice (cca 1600-1676), der bedeutendste tschechische Komponist des 17. Jahrhunderts, studierte im Jesuitenkolleg seiner Geburtsstadt, dem südböhmischen Jindrichuv Hradec. Dort war er vermutlich ab 1633 bis zu seinem Lebensende als Organist der Propsteikirche tätig. Die Missa V ist Teil der letzten und größten Sammlung von Michnas geistlichen Werken Sacra et litaniae, die 1654 in Prag erschien (sie enthält fünf Messen, ein Requiem, ein Te Deum und zwei Litaneien). Die Komposition ist als Dialog zwischen dem konzertanten Solobass und einer überwiegend homophonen, passiven Vierstimmigkeit angelegt. Die dramatische Wirkung wird hier, ähnlich wie an anderen Stellen bei Michna, durch die Verwendung von ungewöhnlichen harmonischen Verbindungen und Chromatik erreicht. Die sehr sparsam besetzte instrumentale Begleitung – zwei Violinen, in der Einleitung eine Posaune (Viola) ad libitum und Continuo spiegeln möglicherweise das begrenzte Personal des Kirchenmusikensembles in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wieder. So wie die anderen Teile dieser größten tschechischen Sammlung lateinischer liturgischer Musik erscheint auch diese Messe erstmals in neuerer Zeit, in einer kritischen Ausgabe von Prof. V. Belský und Dr. Jirí Sehnal. Teil des Bandes sind ein umfangreiches Vorwort und ein kritischer Bericht (cz./ger./eng.).